Michael Jaschke, CEO AlterMobili, im Interview | © ESG Mobility
12.02.2021

Schluss mit Parkfrust!

Mit DIESER Lösung trifft das Smart Mobility Startup AlterMobili den Nerv der Zeit.

Michael Jaschke, Gründer und CEO von AlterMobili, im Interview

Mit dem Ziel Verkehrs- und Umweltprobleme mit Technik und der Gemeinschaft der Verkehrsteilnehmer zu lösen, trifft das Smart Mobility Startup AlterMobili genau den Nerv der Zeit. Die Gründer sahen sich selbst mit dem ständig wachsenden Verkehr in München konfrontiert und beschlossen 2019 eine Lösung zu entwickeln. Wie die genau aussieht haben wir Michael Jaschke, CEO und Gründungsmitglied gefragt!

Michael, starten wir doch direkt mal mit der Frage nach eurem Firmennamen „AlterMobili“ – erzähl uns doch mal wie es dazu kam und wofür AlterMobili heute steht?

Unser Name ist ein Wortspiel rund um den Begriff Alter Ego. Wir glauben, dass nachhaltige Mobilität nur möglich ist, wenn die Gemeinschaft der Verkehrsteilnehmer bereit ist, sich zu vernetzen und Daten, im Sinne einer Optimierung der Verkehrsflüsse, zu teilen. Dafür haben wir einen digitalen Fahrbegleiter in Form unserer App ALMO gebaut, der perspektivisch ein universeller virtueller Assistent für die persönlichen Mobilität jedes Nutzers werden soll. Heute fokussieren wir uns in erster Linie darauf die Parkplatzsuche auf der Straße zu verbessern und zusätzlich Funktionen zur Ermittlung und Kompensierung des CO2 Ausstoßes bereitzustellen. Damit wollen wir einen Beitrag für zufriedenere Fahrer und lebenswertere Städte leisten.

Nun gibt es ja bereits einige Anbieter im Bereich der Parkplatz-Apps inkl. weiterer Features (z.B. Ampido, Park2Gether, Easypark). Wo liegt euer USP? Wie unterscheidet sich eure App ALMO von anderen?

Wir spezialisieren uns derzeit auf die Parkplatzsuche im öffentlichen Raum. Hier gibt es derzeit neben uns, hauptsächlich zwei Lösungsansätze. Der eine spezialisiert sich auf die Erkennung freier Lücken, der andere versucht Parkplatzwahrscheinlichkeiten im öffentlichen Raum zu zeigen. Ersterer steht im Wettbewerb mit den vielen Autofahrern, die einfach einen Parkplatz nach dem Zufallsprinzip suchen und löst damit nicht wirklich das Problem, da freie Parkplätze bekanntlich auch ohne System nie lange frei bleiben. Die Lösung mit den Parkplatzwahrscheinlichkeiten wird und wurde auch von einigen Anbietern angeboten, erzeugt aber derzeit aufgrund der unzureichend präzisen Prognosen häufig keine befriedigende Nutzererfahrung.

Wir sind die einzige Lösung die automatisch und ohne aktive Nutzerbeteiligung Parkplätze im öffentlichen Raum anzeigt, die erst in 1-2 Minuten frei werden. Unsere Nutzer erhalten damit einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nutzern. Die Applikation funktioniert in allen Fahrzeugen und bietet damit eine universelle Lösung, um Parkplatzsuchverkehr zu verringern.

Nehmen wir mal an ich bin ein ALMO User. Was löst beispielsweise mein Ausparken aus? Wie ist ALMO dahingehend aufgebaut? Wie genau erhaltet und verifiziert ihr die Informationen für eure App, um die Richtigkeit zu gewährleisten?

Unsere Lösung funktioniert nach dem Prinzip „wenn ein Auto, nachdem es sich mindestens 5 Minuten lang nicht bewegt hat, sich wieder in Bewegung setzt, dann wird dabei höchstwahrscheinlich ein Parkplatz frei“. In unserer Applikation verbindet sich unsere App ALMO mit der Freisprechanlage deines Autos. Solltest du keine haben, dann kannst du unseren kleinen Sender ALMOdot kaufen, der sicherstellt, dass unsere Lösung auch in älteren Fahrzeugen funktioniert. Die App stellt dann automatisch im Hintergrund deine Ein- und Ausparkvorgänge fest und teilt freiwerdende Parkplätze mit anderen Nutzern. Um fehlerhaft Vorhersagen von Parkplätzen zu eliminieren, nutzen wir die Sensorik deines Smartphones und kombinieren sie mit unserer eigenen künstlichen Intelligenz, um eine möglichst genaue Vorhersage zu erhalten. Dabei fließt auch dein eigenes Nutzerverhalten ein. Damit sind wir in der Lage mit 95% Präzision, sehr gute Vorhersagen für freiwerdende Parkplätze zu erzielen.

Gibt es bereits Kooperationen zwischen AlterMobili als Datenintegrator und einem OEM? Wäre eine Zusammenarbeit überhaupt denkbar? Skoda und Parkopedia machen es ja gerade vor. (Skoda unterstützt seine Kunden bei der Suche nach freien Parkplätzen. Der OEM kooperiert dafür mit dem Parkplatzdienstleister Parkopedia. Dadurch erhalten Skoda-Fahrer Zugriff auf Echtzeit-Informationen zu Millionen von Stellplätzen in ganz Europa, die über das Navigationssystem des Fahrzeugs oder die Skoda Connect-App angezeigt werden.)

Wir haben seit Juli 2019 eine tolle Partnerschaft mit SHARENOW, die uns Ein- und Ausparkereignisse ihrer Flotte von Car Sharing Fahrzeugen in München zur Verfügung stellen. Damit sind wir in der Lage unseren Nutzern zusätzlich viele Tausende Parkplätze zu zeigen. Wir sind sehr interessiert daran zusätzliche Partner für Datenpartnerschaften zu gewinnen. Da sind die OEMs natürlich ganz vorne mit dabei. Aber auch andere Mobilitätsdiensteanbieter wie beispielsweise Parkplatzbezahlapps und Car Sharing Firmen sind sehr gute Partner.

Was war bisher die größte Herausforderung, die AlterMobili zu bewältigen hatte?

Covid-19 war und ist leider immer noch unsere größte Herausforderung. Der Verkehr ist beim ersten Lockdown um bis zu 80% zurückgegangen und beim zweiten Lockdown bis zu 60%. Freie Straßenparkplätze sind vielerorts im Moment kein Problem und damit ist natürlich unsere Lösung im Moment weniger dringend. Wir glauben allerdings, dass mit der Überwindung der Krise, das Parkplatzproblem voll und in stärkerem Maße zurückkommen wird und damit natürlich auch der dringende Wunsch, sowohl von den Städten, als auch den Autofahrern hier zuverlässige Lösungen zu finden

Was bedeutet für dich eine Smart City und inwiefern geht eine nachhaltige Stadtentwicklung mit ihr einher?

Smart Cities werden erst durch die Verknüpfungen von geeigneten Datenströmen möglich. Die intelligente Verknüpfung von Daten zu neuen Applikationen, die sich der Lösung der Grundprobleme der Städte verschreiben, ist beispielsweise die intelligente Verkehrsteuerung. Hier spielt natürlich der Parkplatzsuchverkehr, der zusätzlich 30% des innerstädtischen Verkehrs verursacht oder auch der Lieferverkehr, der unter dem Begriff Urbane Logistik auch ca. 20-30% zusätzlichen Verkehr verursacht, eine sehr große Rolle. Mit dem Einsatz von autonomen Fahrzeugen, wird sich diese Situation zusätzlich verschlechtern. Wir glauben, dass eine Optimierung des Verkehrs, unter Berücksichtigung aller Verkehrsträger, der schnellste Ansatz ist, mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität zu erzeugen. Und genau da setzen wir an.

In welchen Punkten könnte München hinsichtlich einer Smart City noch besser werden? Von welchem Projekt / welcher Stadt könnte München sich eine Scheibe abschneiden?

München könnte einen pragmatischeren Weg zur Lösung seiner Verkehrsprobleme gehen, bei dem die existierenden Verkehrsmittel gleichermaßen optimiert werden. Es macht in einer schneeverwöhnten, alpennahen Stadt nur bedingt Sinn, einer Stadt wie Amsterdam nachzueifern, bei der beispielsweise der Radverkehr ganz anders umgesetzt werden kann. Mit 800.000 zugelassenen PKW, muss München sich diesem Problem anders nähern und versuchen Lösungen zu finden, bei denen die Autofahrer mit ins Boot genommen werden – das sehen wir derzeit nur unzureichend umgesetzt. Wir glauben auch, dass eine Öffnung der vorhandenen Datenströme für Hochtechnologiestartups eine sehr starke Beschleunigung von Lösungskonzepten zum Wohle der Stadt bringen könnte. Auch das findet derzeit in München leider nicht statt.

Welchen Einfluss hat Corona auf die Smart City Entwicklung? Auf welche Veränderungen sollte sich ein Mobilitätsanbieter einstellen?

Ich glaube, dass der autobasierte Individualverkehr zunehmen wird. Das liegt zum einen daran, dass das Auto für viele ein sichereres Fortbewegungsmittel ist, als beispielsweise der ÖPNV. Zum anderen haben es viele Menschen schätzen gelernt die persönliche Freiheit auch durch individuelle Mobilität zu vergrößern. Es ist anzunehmen, dass dies auch zu höheren Zulassungszahlen führen wird, wie das beispielsweise bereits im Dezember 2020 der Fall war. Mobilitätsanbieter wie z.B. Car Sharing Firmen oder ÖPNV werden sich erst im Laufe der Zeit wieder erholen. Wir glauben, dass die Elektromobilität weiter an Fahrt gewinnen wird – allerdings wird dies nicht zu einer Entlastung des Verkehrsaufkommens führen. Das autonome Fahren wird die Situation dann nochmal verschärfen. Hier muss durch Vernetzung und aktive Verkehrssteuerung, bis beispielsweise hin zur aktiven, fahrerunabhängigen Automobilsteuerung durch zentrale Systeme im Stadtgebiet noch viel passieren. Teilautonome bis hin zu voll kontrollierten Fahrzeugsteuerung sind Konzepte, die im Zusammenspiel mit dem Ausbau vom ÖPNV und der Mikromobilität den drohenden Verkehrskollaps abwenden können.

Zu guter Letzt noch unsere Science Fiction Frage: Welche neuen Features wird AlterMobili im Jahr 2031 bereitstellen?

Unser Ziel ist es, unter Einbeziehung aller wesentlichen Verkehrsträger, unseren virtuellen Fahrbegleiter ALMO zu einem sehr relevanten Spieler im internationalen Markt zu machen. Dabei werden Nutzer, entsprechend ihrem Verhalten und ihrer persönlichen Präferenzen, intermodale Angebote nutzen und nutzungsbezogen bezahlen. Das beinhaltet natürlich auch autonome Angebote, sowie Shared Mobility Lösungen. Darüber hinaus planen wir als Markplatz für Mobilitätsdaten, sowohl Applikationen für bestehende Verkehrsteilnehmer als auch autonome Fahrzeuge, zu bedienen. Unser Ziel ist es als unabhängige Drehscheibe für Daten, ein großes Ökosystem unterschiedlichster Mobilitätsdienste zu ermöglichen.