17.06.2020

E-Fuel – Energiewende in Zeiten von Corona mit Hirn und Jobgarantie

Vordenken statt Nachplappern: 9 Dinge über E-Fuel, die Du wissen musst.

Ein Beitrag der ESG Mobility GmbH

Im Zentrum des kommenden Jahrzehntes wird mobilitätsseitig in jedem Fall das Auto stehen. Muss es auch, wenn wir weiterhin an Wohlstand interessiert sind und in Bezug auf Technologie und Innovation nicht dauerhaft eine Zuschauerrolle einnehmen wollen. Natürlich reden wir nicht vom Auto in seiner heutigen Form, natürlich reden wir nicht von einer Mobilität, die so aussieht wie wir sie heute kennen. Vielmehr möchten wir über clevere Technologien reden und mutige Visionen echter Unternehmer, die mit Herz und Verstand daran arbeiten Dinge zu bewegen. Nicht erst zur nächsten Legislaturperiode oder der nächsten Entlastung des Vorstandes, sondern jetzt. Hier und heute.

Zu lange haben wir kollektiv zugesehen, wie anderenorts technologische Fakten geschaffen und ein Wandel mit offenen Armen begrüßt wird. Hierzulande konzentriert man sich eher auf das Zuschauen, das Abwarten auf andere, auf die Politik, auf ein passendes Meinungsbild der Öffentlichkeit. Ein Schritt in die falsche Richtung ist stets schlimmer als das Nichtstun. Ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit die größte Strafe, die man sich vorstellen kann. Das Land und die Wirtschaft haben sich mit aller Kraft darum bemüht stehen zu bleiben. Was zugegeben sehr provokant klingt, mag durchaus ein Grund dafür sein, warum technologische Wege einer Mobilitätswende zur Sackgasse erklärt werden, noch bevor sich jemand die Mühe gemacht hat, um die Straßenecke zu blicken. Das Glas ist stets halb leer. Innovation geschieht immer häufiger außerhalb von Europa.

Wir wollen hier die 9 wichtigsten Fakten darstellen, die man über E-Fuel wissen sollte. Nicht verklausuliert, mit abstrakter Theorie vollgestopft oder mit einer Hidden-Agenda. Stattdessen klar auf den Punkt gebracht und für diejenigen, die es treffen sollte: Menschen, die in Zukunft mobil sein wollen, an Deutschland als Technologieführer glauben und lieber Vordenken, anstatt nach zu plappern.

Was kann ein Auto, das mit E-Fuel fährt?

Das wichtigste Argument gleich vorweg: Ein E-Fuel betriebenes Auto kann alles, was ein heutiges Auto auch kann. Das liegt schlicht daran, dass es eben genau das gleiche Auto ist und lediglich mit einem anderen Kraftstoff betankt wird. Heutige Autos sind bereits fast alle E-Fuel kompatibel. In den aktuellen Diskussionen wird stets vergessen, dass die sogenannte Usability von E-Fuel betriebenen Fahrzeugen unschlagbar ist, denn Autofahrer müssen sich in ihrem Verhalten in keiner Weise umstellen. Sie müssen keine Angst davor haben, bestimmte Distanzen wegen einer zu kleinen oder nicht vollständig geladenen Batterie zu erreichen. Sie müssen sich nicht damit abfinden, dass sich die Leistung ihrer Autos von Jahr zu Jahr aufgrund des Zustandes der Batterie verringert. Sie müssen sich nicht mit dem Vermieter um eine Steckdose in der Tiefgarage streiten oder in einen teuren Power-Charger investieren. Stattdessen geschieht die Umstellung von heute auf morgen bzw. an der nächsten Zapfsäule. Die Infrastruktur ist so schnell umgestellt wie einst bei der Einführung von Super E-10 – praktisch über Nacht.

Wie hilft E-Fuel der Umwelt?

Aus Sonnen- oder Windenergie wird Wasserstoff erzeugt. Aus der Umgebungsluft wird schädliches CO2 entnommen und zusammen mit dem Wasserstoffgas in einen synthetischen Treibstoff gewandelt. Voila: E-Fuel! Die Energiedichte von E-Fuel ist dabei so hoch, dass sich im Gegensatz zur Batterie hohe Reichweiten spielend realisieren lassen. E-Fuel wird wie klassischer Kraftstoff im Fahrzeug verbrannt. Dabei entsteht kein CO2, welches nicht zuvor bei der Erzeugung von E-Fuel aus der Umgebung entnommen wurde. Folglich ist der Vorgang CO2-neutral. Da bei der Herstellung von E-Fahrzeugen deutlich mehr CO2 erzeugt wird, als bei herkömmlichen Fahrzeugen, ist die Gesamtbilanz besser. Unabhängig davon sind die Umweltschäden, die bei der Batteriefertigung, u.a. bei der Förderung der entsprechenden Rohstoffe entstehen, sehr hoch.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Anschaffung eines Neufahrzeugs unabhängig von der Antriebsart immer einen erheblich schlechteren CO2-Abdruck hinterlässt, als der möglichst lange Betrieb des bisherigen Fahrzeugs. Mal abgesehen davon, dass sich die wenigsten Familien in Deutschland, angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Gesamtentwicklungen in und nach der Coronakrise, bereit erklären werden, allein der Umwelt zuliebe einen Neuwagen anzuschaffen. Die Fahrzeuge, die wir mitten in der Mobilitätswende sehen werden, sind also genau jene Fahrzeuge, die bereits heute auf der Straße zu sehen sind. Trotzdem wäre mit dem Griff zur richtigen Zapfsäule das EU-Klimaziel praktisch schon heute erfüllbar.

Die Frustration der Klimaschützer und Umweltaktivisten ist angesichts des Dieselskandals verständlich. Entscheidend ist jedoch, was unserem Klima so schnell wie möglich hilft. Ein Prinzipienstreit, der anstatt auf Logik lediglich darauf beruht auch CO2-neutrale Verbrennungsmotoren zu stigmatisieren ist ein gefährlicher Weg. Ein Weg in eine Richtung, die Umweltschützer explizit vermeiden wollen. Es bedarf charakterlicher Stärke anstelle des eigenen Egos ideale Lösungen für die Umwelt in den Vordergrund zu stellen. Lösungen, bei denen nur ein einziger Schalter umgelegt werden muss, um das Klima spürbar zu entlasten.

Was muss in der Infrastruktur gemacht werden, damit wir mit E-Fuel fahren können?

Zunächst sollte erwähnt werden, dass E-Fuel eine sogenannte „Anschlusstechnologie“ ist. Genau wie beim Wasserstoff kann auf einen Großteil der heute bereits vorhandenen Infrastruktur gesetzt werden. Niemand muss sich einen Supercharger für zu Hause anschaffen, niemand muss sich beim Einkaufen besonders viel Zeit lassen, um parallel sein Auto laden zu können. Ebenso ist die Energieerzeugung von der Nutzung vollkommen unabhängig – es kann also weitestgehend auf teure und komplexe Smart-Grid Gerätschaften für Zuhause verzichtet werden, denn niemand muss befürchten, die Nachbarschaft lahm zu legen, nur weil gerade alle um 18:00 Uhr ihr Fahrzeug gleichzeitig laden möchten. Niemand muss sich mit einem Plakat vor die Haustüre stellen und lauthals gegen ein Windrad in seiner Nachbarschaft klagen. Niemand muss auf eine geplante Stromtrasse durch seinen Hinterhof aufmerksam machen. Der Wandel bei E-Fuel geschieht unsichtbar, alles was wir benötigen ist praktisch schon da.

Zur Erzeugung von E-Fuel müssen Produktionsanalgen entwickelt und bereitgestellt werden. Idealerweise in unmittelbarer Nähe zur Stromerzeugung – also neben dem Windrad oder der PV-Anlage. Ein intelligenter Ansatz ist, die Produktion direkt in den sonnenreichen, nordafrikanischen Ländern (oder Südeuropa) zu belassen und erzeugten E-Fuel nach Europa auf herkömmlichem Wege zu importieren. Durch die sehr geringen Energiekosten im Ausland scheinen Preise für E-Fuel realisierbar zu sein, wie wir sie auch heute bei herkömmlichem Kraftsoff kennen. Die Verteilung im ganzen Land geschieht dann ebenso, wie bisher Benzin oder Diesel an die Tankstellen verteilt wird. Unspektakulär einfach, ohne Widerstände, ohne Diskussionsrunden ohne eine Umstellung der Verbraucher.

Warum denken wir bei der Mobilitätswende nur an Tesla’s E-Auto und nicht an Technologien Made in Germany?

Schon mal aufgefallen, dass wir in Deutschland zur Batterietechnologie nicht in den vorderen Reihen sitzen? Wie viele Lager von seltenen Erden haben wir in Deutschland, um das Risiko eingehen zu können, vollkommen auf die Batterietechnologie zu setzen? In Zeiten von Lieferengpässen und platzenden, länderübergreifenden Ressourcen-Deals, sowie immer stärker eskalierendem Protektionismus sind das keine guten Vorzeichen. Unsere Ingenieurskunst beruht nicht auf den Fähigkeiten im Umgang mit Halbleitern, das sind die Asiaten. Unsere Stärken sind leider auch nicht im Bereich der Software und IT zu finden, hier spielen die USA in einer ganz anderen Liga. Unsere Stärken beruhen auf der Fähigkeit hoch-komplexe, interdisziplinäre Gesamtsysteme und Maschinen zu entwickeln und auf einem nirgends sonst wo zu findenden Qualitätsniveau zu bauen. Im Moment versuchen wir auf den Spielfeldern der Asiaten und den USA unsere Spielfiguren zu platzieren – mit gebundenen Händen und ohne Kenntnis der jeweiligen Spielregeln. Macht es da nicht viel mehr Sinn auf Innovationen zu setzen, deren Spielbretter wir bereits auswendig kennen? U.a. mit E-Fuel hätten wir ein neues, altes Spielbrett wieder in unseren Händen. Und könnten unabhängig der anderen Spieler eigene Regeln definieren.

Wer hat Interesse daran, dass E-Fuel ein Erfolg wird? Und wer hat daran wenig Interesse?

Angesichts der öffentlichen Kritik muss man sich tatsächlich die Frage stellen, wer von einem Versagen der E-Fuel Technologien profitieren würde. Der Widerstand der Politik dürfte weitestgehend auf den Druck von Klimaaktivisten zurückzuführen sein, denn man möchte keine negativen Schlagzeilen heraufbeschwören. Das aktuelle Stimmungsbild ist Pro-Elektro, auch wenn eine Pro-CO2-Neutralität durchaus mehr Sinn machen würde. Es gibt keinen Grund die Klimawirkung außen vor zu lassen und lediglich darauf zu schauen, was bei einem einzelnen Fahrzeug hinten rauskommt – genau das ist aber die aktuelle Sichtweise der EU, wenn es um die bekannten Richtlinien geht. Logik sieht anders aus. Handeln im Sinne der Umwelt auch. Tesla wird es freuen, denn solange Demonstranten lautstark nach E-Fahrzeugen rufen, das öffentliche Meinungsbild geschickt in diese Richtung gelenkt wird und man sich hierzulande in der Industrie nicht einig ist, wo die Reise hingehen soll, wird auch die Politik als Fahne im Wind die Richtung des geringsten Widerstandes beibehalten. Wer hat also Interesse am Erfolg von E-Fuel? Klare Antwort: Wir alle sollten daran Interesse haben, unsere Umwelt und unser Wohlstand.

Was kann passieren, wenn wir E-Fuel ebenso verschlafen?

Das zukünftige Szenario lässt sich schwer abschätzen. Dennoch besteht die Gefahr, dass wir zu sehr auf die E-Mobilität setzen und damit einmalige Chancen des Landes nach außen verschenken. Wir können davon ausgehen, dass der Einbruch der Automobilindustrie schnell von ausländischen Marken geschlossen werden wird. Zum einen Teil mit asiatischen, zum anderen Teil mit US-amerikanischen Fahrzeugen. Diese sind in Bezug auf die Connectivity, als auch in Bezug auf die Leistung des E-Antriebes bzw. der Batterie auf einem sehr hohen Niveau bei gleichzeitig günstigen Preisen. Ideale chinesische Wirtschaftsbedingungen und deutlich mutigere amerikanische Unternehmerstrategien begünstigen dies. Der Leitmarkt für E-Mobilität ist ohnehin längst China und nicht mehr Europa. Arbeitsplätze und Ingenieurswissen kann in hohem Maße verloren gehen. Spitzentechnologie wird abwandern. Das Land wird weitere Plätze in seiner technologischen Leistungsfähigkeit verlieren. Und am Ende des Tages werden wir es alle an unserem eigene Gehaltscheck am Monatsende sehen – unabhängig der Branche.

Wo wird denn an E-Fuel gearbeitet?

Mit ineratec, sunfire aber auch Audi seien an dieser Stelle nur drei Firmen genannt, die an E-Fuel arbeiten. Sie entwickeln mobile, skalierbare Komponenten und Produktionsanlagen, um aus Öko-Strom synthetische Kraftstoffe zu erzeugen. Die Bedingungen scheinen schwierig –große Fördermaßnahmen und öffentliche Unterstützung sucht man vergebens. So behandelt man Stiefkinder. Anderenorts scheint man auch hier weiter zu sein – so steht sunfire’s erste Power-to-Liquid Anlage nicht in Deutschland, sondern in Norwegen.

Hat Corona einen Einfluss auf die Entwicklung der Mobilitätswende und damit auf E-Fuel?

Man kann durchaus annehmen, dass es Auswirkungen geben wird. Das öffentliche Meinungsbild hat sich in den vergangenen Wochen bereits stark von der Grünen-Politik in Richtung klassischer Werte verabschiedet. Sehr unwahrscheinlich erscheint es, dass Familien trotz anhaltender Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit weiter an einem Öko-freundlichen Fahrzeugneukauf festhalten werden. Woher soll schließlich das Geld dafür kommen?! Eine Abwrackprämie 2.0 ist vom Tisch, zu viele unterschiedliche Branchen schreien nach wirtschaftlicher Unterstützung. Entweder die Klimaziele werden kurzerhand gekippt, oder man bemüht sich in genau diesen Zeiten nach intelligenten Alternativen. Einer Alternative wie E-Fuel, die weder Neuwagenkäufe benötigt, noch Arbeitsplätze gefährdet, noch Jahre an Infrastrukturmaßnahmen voraussetzt.

Ganz konkret, was muss der Reihe nach passieren, damit wir den Stein zum Rollen bringen wollen?

Zunächst: Wir brauchen keine Debatten – davon hat dieses Land genug. Wir brauchen keine theoretischen Studien und weitere Analysen. Was wir jetzt brauchen sind Macher. Macher, die mit schnellen Prototypen und einer agilen Herangehensweise Schritt für Schritt der Lösung näherkommen. Elon Musk baute eine Trägerrakete, die vollständig landen kann, nicht unter Laborbedingungen und jahrelangem Abwägen des Für und Wider. Man startet schnell, hier und jetzt. Und stellt sicher, dass man mit jedem Rückschlag lernt, wie es besser geht. Eine Herangehensweise, die wir in Deutschland noch lernen müssen.

Wir haben hier eine stark vereinfachte Roadmap aufgezeichnet in deren Zentrum eine Disziplin steht, der man durchaus die Schlüsselrolle einer E-Fuel Strategie zuschreiben kann: Die Kommunikation in der Öffentlichkeit und die Veränderung des damit verbundenen Meinungsbildes. Der Sieg der synthetischen Kraftstoffe wird letzten Endes nicht durch die Technologie zu erringen sein, sondern durch den Abbau der Vorurteile und der klaren Kommunikation des Nutzens für Mensch und Umwelt. Von der Politik erhofft sich diese Roadmap lediglich den Abbau ihrer selbst aufgebauten Barrieren. Man ist gut damit beraten die Roadmap aus Sicht eines mutigen Unternehmers zu betrachten, der sein Schicksal in keiner Weise vom aktuell vorherrschenden, politischen Stimmungsbild abhängig machen möchte. Ein derartiges Vorhaben muss ambitioniert in 10 Jahren durchführbar sein – bei einem weiterhin volatilen Weltmarkt werden Investoren nicht über einen Zeitraum darüber hinaus Kapital binden.

Grafik E-Fuel

Was ambitioniert klingt muss in der Praxis kein bisschen schwerer sein: Ein Vorhaben, das am Ende vermutlich nur Gewinner kennen wird. Allen voran die Bürgerinnen und Bürger, die sich über eine positive Klimaentwicklung ohne weitreichende Einschnitte und Wohlstand Made in Germany freuen können. Die Autoindustrie, die trotz Dieselskandal mit einem blauen Auge davonkommen kann. Zulieferer, die durschnaufen und Arbeitsplätze sichern können. Die EU, die sich mit breiter Brust hinter ihre Klimaziele stellen und Stolz behaupten kann, einen Wanden in den arabischen Ländern hin zu erneuerbaren Energien unterstützt zu haben. Als willkommener Nebeneffekt nimmt sie positiv auf die Entwicklung nordafrikanischer Länder Einfluss.

Die Fakten liegen auf dem Tisch, Unternehmen warten darauf Position zu beziehen. Der Startschuss muss fallen. Was für den Sport gilt, gilt auch in der Wirtschaft und in der Politik: „Es gibt keinen idealen Moment mit Sport zu beginnen. Der richtige Moment ist heute. Hier und jetzt.“